„Wir sind für Frieden“: Menschen mit Behinderung aus der Ukraine malen ihre Sehnsucht zum Christfest
Wir sind für Frieden
Eines dieser Bilder ist auch auf dem Titel der Karte zu sehen, die der Caritasverband für das Bistum Aachen zum Weihnachtsfest an seine Kooperationspartnerinnen und -partner in verbandlicher Caritas, freier Wohlfahrtspflege, Kirche, Verwaltung und Medien verschickt hat. Auf diesem Bild malten die aus der Ukraine Geflüchteten, die nun Teilnehmer im Berufsbildungsbereich der CBW sind, unter künstlerischer Leitung von Olena Pryshchepa, eine ihrer Betreuerinnen uas der Ukraine, ein Herz in den ukrainischen Landesfarben, in dem die Sonne, ein Baum und ein Haus zu sehen sind sowie drei Ähren. Sie stehen für den Getreideanbau in der Ukraine, der seit dem Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine zum politischen Zankapfel geworden ist, weil viele Länder auf der Welt auf urkrainisches Getreide angewiesen sind, vor allem ärmere, von Hungersnöten bedrohte Länder. Über dem Herz steht in kyrillischen Buchstaben der Satz "Wir sind für Frieden." Über diesem in roter Schrift gehaltenen Schriftzug schweben eine Friedenstaube und zwei Posaunenengel. Ganz oben auf der Klarte sind drei Raketen zu sehen, die diese friedliche Szenerie bedrohen. Mit roten Kreuzen sind die Raken durchgestrichen. Damit wollen die Menschen aus der Ukraine, die dieses Bild gemalt haben, sagen: Stoppt die Angriffe auf unser Land!
Mutter Gottes mit Kind
Noch zwei weitere Bilder haben sie gemalt, die - vor allem in den ukrainischen Nationalfarben blau und gelb gehalten - die Gottesmutter mit dem Jesuskind zeigen. Jesus, selbst Mensch geworden in einer unfriedlichen Zeit und in einer unfriedlichen Welt, ist die große Hoffnung vieler Menschen, vor allem der Rechtlosen und Schwachen. Nicht ohne Grund verkündeten die Engel die Botschaft von der Geburt Jesu zuerst den Hirten auf den Weiden vor den Toren Bethlehems. Sie, die wenig haben, nur die Sorge um die ihnen anvertraute Herde, sind die ersten, die sich aufmachen zum Stall nach Bethlehem, in dem in einer Krippe Jesus liegt, der Sohn Gottes, das Heil der Welt. Die frohe Botschaft, die die Engel den Hirten und aller Welt verkünden, hallt bis heute nach. In fast jedem Gottesdienst wird sie im Gloria gesungen: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen seiner Gnade."
Mutter Gottes mit Kind und Engeln
Die Menschen mit Behinderung aus der Ukraine und ihre Betreuerinnen, die bei der CBW und CLW eine Bleibe gefunden haben, hatten zu Beginn des Krieges die Hoffnung, dass ihr Aufenthalt in Deutschland nur wenige Monate dauern würde. Ihre Sehnsucht, in die Heimat zurückzukehren, war und ist groß. Doch mit einer schnellen Rückkehr rechnen Nataliia Korthenevska und Olena Pryshchepa, zwei der derzeit (Dezember 2022) drei Betreuerinnen der jungen Männer aus der Ukraine, nicht. Dass russische Truppen einmal ihre Heimat angreifen würden lag außerhalb ihrer Vorstellung. Das Waisenhaus ist in den bisherigen Kriegshandlungen nicht beschädigt oder gar zerstört worden. Doch zum Schutz der 189 Bewohner mussten sie die ersten Wochen und Monate des Krieges im Keller des Gebäudes verbringen. Über eine Kooperation mit dem Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP), einem anerkannten Fachverband im Deutschen Caritasverband, gelang es schließlich, einen Teil der Bewohner über Polen nach Deutschland, auch nach Eschweiler zu holen. Den Menschen mit Behinderung - sechs von ihnen sind volljährig, einer minderjährig - sei nicht bewusst, dass in ihrer Heimat Krieg sei, sagt Nataliia Korthenevska. Über ihre Mobiltelefone halten die Betreuerinnen, die angestellte des Waisenhauses bei Kiew sind, Kontakt zu ihren Familien. Es sei nicht einfach, in den Nachrichten im Fernsehen von den Zerstörungen der Heimat und den gezielten russischen Schlägen gegen die Infrastruktur zu hören. Die Sorge um die Familie sei der ständige Begleiter. Umso dankbarer sind die Geflüchteten für die Unterstützung, die sie durch CLW und CBW erfahren. In Eschweiler leben sie nun in einem Haus, das die CLW langfristig angemietet hat. In Häusern wie diesem richtet die CLW normalerweise betreute Wohngruppen für Menschen mit Behinderung ein. Anders als in diesen Gruppen gibt es für die Geflüchteten jungen Männer aus der Ukraine eine Rundumbetreuung, die ihre Betreuerinnen gewährleisten.
Auch wenn Sie Weihnachten und den Jahreswechsel und das orthodoxe Weihnachtsfest am 6. Januar fern der Heimat verbringen, gemütlich wollen es sich die Geflüchteten aus der Ukraine machen. Und Spezialitäten aus der Heimat dürfen da nicht fehlen, unter anderem Kutja, ein ukrainisches Weizen-Mohn-Dessert, sagen Nataliia Korthenevska und Olena Pryshchepa.
Wie sich die sieben jungen Männer mit Behinderung in den ersten Wochen in Deutschland zurechtgefunden haben und wie ihnen dabei die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der CBW geholfen haben, beschreibt ein Beitrag in der Zeitschrift Caritas in NRW, der im Sommer erschienen ist.
